Tätigkeits-, Anforderungs- und Belastungsstudien bei Schulleitungen
In der Schulleitungsstudie geht es darum, wissenschaftliche Erkennt-nisse über die Arbeitssituation von Schulleiterinnen und Schulleitern zu gewinnen. Ferner soll Ziel sein, den Alltag eines Schulleiters/ einer Schulleiterin zu beschreiben und Zusammenhänge zu den Tätigkeitsvorlieben, den Belastungsfaktoren, insgesamt zu den Handlungstypen, sowie zu den individuellen und institutionellen Faktoren zu untersuchen.
Ziele der Studie sind u.a. erstens aufzuzeigen, was Schulleiterinnen und Schulleiter aus dem Spektrum an Tätigkeiten gerne tun (Tätigkeitsvorlieben) und was sie belastet (Belastungsfaktoren), zweitens Handlungstypen zu entwickeln (Typologiebildung) aufgrund der Tätigkeitsvorlieben und Belastungsfaktoren. Drittens sollen Zusammenhänge zwischen Handlungstypen und individuellen Faktoren (darunter berufsbiographischen Aspekten, Einstellungen/Haltungen) und institutionellen Faktoren (darunter dem schulischen Arbeitskontext bzw. der Arbeitssituation) identifiziert werden.
Posterpräsentation 1 (pdf)
Posterpräsentation 2 (pdf)
Posterpräsentation 3 (pdf)
Erste Ergebnisse von Baden-Württemberg (pdf)
Schulleitungsstudie in den deutschsprachigen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz)
Belastungs- und Beanspruchungserleben von Schulleitungen
Hintergrund
Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Schulleitung ist die Einsicht in deren zentrale Bedeutung für die Qualität von Schulen und ihre Entwicklung. Die Bedeutung von Schulleitungshandeln für die Qualität und Entwicklung von Schulen und die Relevanz einer Professionalisierung von Schulleitungspersonal sind wissenschaftlich gut gestützt und werden mittlerweile zunehmend von Schulleiterinnen und Schulleitern selbst, von Erziehungswissenschaftlern und auch von Bildungspolitikern betont. So hängen etwa die Wirksamkeit und der Erfolg von Verbesserungsbemühungen in hohem Maße von der Leistung der Schulleitung ab. Umfangreiche empirische Bemühungen der quantitativ ausgerichteten Schulwirksamkeitsforschung – vorwiegend in Nordamerika, Großbritannien, Australien und Neuseeland, aber auch in den Niederlanden sowie den skandinavischen Ländern – ergaben, dass die pädagogische Steuerung von Schule durch die Schulleitung ein zentraler Faktor für die Qualität einer Schule ist. Auch aktuelle Studien zu Schulentwicklung bzw. Schulverbesserung betonen die Relevanz von Schulleitung, besonders im Hinblick auf den angestrebten kontinuierlichen Verbesserungsprozess in einer jeden Schule (für eine kritische Übersicht siehe Huber, 1999a). Schulleitung nimmt also eine zentrale Rolle in allen Phasen des Schulentwicklungsprozesses ein. Sie wird oft als verantwortlich dafür beschrieben, dass bei den angestrebten Verbesserungsprozessen
der Blick auf die gesamte Schule beibehalten und eine sinnvolle Koordination von Einzelaktivitäten
gesichert wird.
Darüber hinaus soll sie intraschulische Bedingungen für eine kontinuierliche Weiter
bildung und zunehmende Professionalisierung der Lehrkräfte schaffen. Sie trägt Verantwortung für
die Entwicklung einer kooperativen Schulkultur usw.
In der aktuellen Literatur, aber auch in Bildungspolitik und –praxis ist ebenfalls anerkannt, dass sich
Schulleiterinnen und Schulleiter angesichts aktueller Entwicklungen, nämlich etwa der angedeuteten
Verlagerung von Aufgaben und Kompetenzen, neuen und erweiterten Anforderungen gegenüberse
hen. Rolle und Funktion von Schulleitung haben sich deutlich gewandelt, wandeln sich aktuell und
werden sich weiter verändern. In der deutschsprachigen Schulforschung sind allerdings große For
schungsdesiderate offen, was etwa das konkrete Schulleitungshandeln betrifft.
Angesichts der Relevanz von Schulleitungspersonen und der sich verändernden hohen Kompetenzansprüche ist auch deren Qualifizierung (die Quantität und Qualität der Aus-, Fort- und Weiterbildung) von großer Bedeutung. Bislang wird aber nach wie vor häufig fälschlich von einer Kompetenzidentität zwischen Lehrern und Schulleitungspersonal ausgegangen. Es fehlen nicht zuletzt aus diesem Grund im deutschsprachigen Raum sowohl ein genaues Tätigkeits- und Anforderungsprofil von Schulleitungspersonen als auch und insbesondere Studien zum Belastungs- und Beanspruchungserleben von Schulleitungen.
Ziel und Design der Studie
Aus diesem Grund wurde im Rahmen einer Schulleitungsstudie in den deutschsprachigen Ländern,
Deutschland, Österreich und der Schweiz, das Belastungs- und Beanspruchungserleben von Schulleitungen untersucht.
Die Ziele der Studie lauten:
- Erkenntnisse über Arbeitssituation von Schulleiterinnen und Schulleiter zu gewinnen
- Handlungstypen aufgrund der Tätigkeitsvorlieben und Belastungsfaktoren zu identifizieren
- Zusammenhänge zwischen dem Belastungsempfinden und individuellen Faktoren (z.B. berufsbiografischen Aspekten) bzw. institutionellen Faktoren (z.B. Arbeitssituation) herauszufinden
Die zentrale Fragestellung lautet:
Wie belastet sind Schulleiterinnen und Schulleiter, und durch welche Belastungsfaktoren lassen sich hohe Beanspruchung und emotionale Erschöpfung (als Teil von Burnout) erklären?
Zur Operationalisierung wurde das Modell zum Schulleitungshandeln von Huber (2008, 2011) verwendet und das Rahmenmodell schulischer Belastung von Böhm-Kasper (2004) auf den spezifischen Kontext der Schulleitung adaptiert.
Eine von Huber durchgeführte Sondierungsstudie mit 20 Einzelgesprächen von Schulleiterinnen und Schulleitern aller Schulformen galt als Vorarbeit für das Design der Studie.
Die Befragung gliedert sich in drei Erhebungsphasen. Die erste Erhebungsphase ist eine allgemeine Befragung der Schulleiterinnen und Schulleiterüber deren Berufsbiographie, den schulischen Arbeitskontext, die Arbeitssituation sowie allgemeine und spezifische Belastungssituationen. Die zweite
Erhebungsphase ist ein elektronisches Tagebuch, in dem Schulleiterinnen und Schulleiteraus über drei Arbeitswochen hinweg, die auf das Schuljahr verteilt sind, ihre Tagesaktivitäten aufzeichnen. Die dritte Erhebungsphase besteht aus leitfaden- und problemzentrierten Interviewstudien. Im Sinne eines explanativen mixed-method Designs können daher quantitative und qualitative Daten analysiert sowie Zusammenhänge eruiert werden und es wird ein Beitrag zur Theoriebildung geleistet.
Die Schulleitungsstudie wurde in 18 deutschsprachigen Kantonen der Schweiz, vier Bundesländern in Deutschland (die Untersuchung in einem Bundesland ist komplett abgeschlossen, in drei weiteren Bundesländern wird sie Mitte/Ende Oktober beendet sein) sowie drei Bundesländern in Österreich durchgeführt. Das Kriterium für die Auswahl der in die Befragung einbezogenen Bundesländer in Deutschland begründet sich in den Unterschieden hinsichtlich des Implementierungsgrades von Eigenverantwortlichkeit.
Die Befragung hatte in der Schweiz eine Rücklaufquote von 56% zu verzeichnen (N=3705) In Deutschland belief sich die Responserate auf 55% (Baden-Württemberg: N=1664, Hessen: N= 615, Nordrhein-Westfalen: N= 1223 und Sachsen-Anhalt: N=203). In Österreich ist die Responserate 53% (N=1101), in der Schweiz RR=49% (N=839). Es nahmen an der Befragung insgesamt 5645 Schulleiterinnen und Schulleiter aus den drei deutschsprachigen Ländern teil. Zur Erhebung der Daten wurde ein für jedes Land abgestimmter und adaptierter (bzgl. der demographischen Variablen, z.B. Wording oder Auswahl von Institutions- und Funktionsbezeichnungen etc. angepasster) Online-Fragebogen eingesetzt.
Dieser wurde an alle Schulleitende verschickt. Insgesamt hatten die Befragten drei Wochen für die Bearbeitung des Fragebogens Zeit. Die Beantwortung der Fragen dauerte im Durchschnitt 45 Minuten. Die Erhebungen fanden im Zeitraum Sommer 2010 bis Sommer 2011 in allen drei Ländern statt. Die Daten wurden bereits aufbereitet und Analysen hinsichtlich der Datenqualität wurden durchgeführt und in Form von Item-, Index- und Skalendokumentationen dokumentiert. (Entsprechende Unterlagen sind einsehbar.)
Für die Studie konnten Schulleiterinnen und Schulleiter gewonnen werden, die die Entwicklung de Erhebungsinstrumente begleitet haben.